Berufsunfähigkeit: unbestimmt und unverbindlich.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung lebt es sich sicherer als ohne. Dennoch erfüllen die aktuellen Tarife aufgrund fehlender klarer Leistungsbeschreibungen, sowie einer Fülle von unbestimmten Begriffen und unverbindlichen Formulierungen in den Vertragsbedingungen, oftmals nur die Funktion einer Klageoption. Denn: mit Versicherungsschutz kann man dann im Leistungsfall wenigstens um die Klauselauslegung streiten.

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung steht aufgrund vielfältiger produktspezifischer Kernprobleme und der nur rund 25%igen Abdeckungsquote in der Bevölkerung aktuell im Fokus von Politik, Versicherungsvertrieb und Öffentlichkeit.

Die Kernprobleme der Berufsunfähigkeitsversicherungen:

Gesundheitsprüfung

Für medizinische Laien sind die Antragsfragen viel zu oberflächlich und unspezifiziert gehalten. Für Kunden und beratende Vermittler besteht dadurch das Risiko, die Relevanz von anzeigepflichtigen Krankheiten zu verkennen und diese bei Antragstellung nicht korrekt zu benennen. Hinzu kommt, dass bei gesetzlich Krankenversicherten keine Transparenz über die vom behandelten Arzt in der persönlichen Patientenakte vermerkten Diagnosen vorliegt. Falsch- oder Fehlangaben gehen im Leistungsfall immer zu Lasten der Versicherten.

Versicherungsumfang

Ratings suggerieren eine empfehlenswerte Produktwelt. Die Realität sieht jedoch leider anders aus. Unverständliche Leistungsbeschreibungen und eine Fülle von unbestimmten Begriffen und unverbindlichen Formulierungen in den Versicherungsbedingungen sorgen für ein hohes Streitpotential im Leistungsfall.

Leistungsfall

Nicht spezifizierte Mitwirkungs- und teilweise unerfüllbare Nachweispflichten für Versicherte sowie keine verifizierbare Transparenz zu dem tatsächlichen Leistungsverhalten der Versicherer geben Kunden keine Sicherheit im Leistungsfall.

Berufsunfähigkeitsver­sicherung in der Presse

In 2015 veröffentlichte das Handelsblatt einen Artikel über die Fülle von unbestimmten Begriffen und unverbindlichen Formulierungen. Artikel downloaden

Problemfall BU

Fritz und die Berufsunfähigkeitsversicherung

Unser Film veranschaulicht, wo unter anderem die Schwachstellen in den Versicherungsprodukten liegen.

Herbst 2016: Qualitäts- und Transparenzinitiative (QTi) zur Berufsunfähigkeitsversicherung gestartet

Die Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen werben seit Jahren damit, dass trotz unverständlicher Versicherungsbedingungen insbesondere die individuelle Leistungspraxis kundenfreundlich sei.

Seit Jahren kursieren allerdings Aussagen, wonach die durchschnittliche Leistungsdauer gezahlter Berufsunfähigkeitsrenten im Branchenschnitt bei lediglich rund 2 Jahren läge. Um diesen Dissens aufzulösen und Transparenz zu schaffen, hat die PCD die Qualitäts- und Transparenzinitiative zur Berufsunfähigkeitsversicherung gestartet.

Im Rahmen der Initiative wurde ein detaillierter Erhebungsbogen mit 75 Fragen zum tatsächlichem Leistungsverhalten an 62 relevante Versicherer und den Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) verschickt.

Aufeinander aufbauend liegt der Fokus der Fragen dabei neben der Anzahl, der durchschnittlichen Höhe und Leistungsdauer der anerkannten monatlichen Berufsunfähigkeitsrenten, auch erstmalig in der differenzierten Betrachtung möglicher juristischer Eskalationsstufen innerhalb der Leistungsprüfung.

Außergerichtliche Vergleiche werden dabei genauso berücksichtigt, wie die einzelnen gerichtlichen Instanzen nebst Urteilen für oder gegen die Versicherten. Die Fragen beziehen sich jeweils auf die Kalenderjahre 2000 bis 2016.

Die Antworten sollen zunächst eine faire, objektive Beurteilung des tatsächlichen Leistungsverhalten der Versicherer ermöglichen und eventuell vorhandene Handlungsfelder für Gesetzgeber und Unternehmen identifizieren.

Die Ergebnisse wurden als Branchenergebnis am 28.03.2017 veröffentlicht.

Stimmen zur Studie und zum 1. Recht-Symposium BU

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1. Recht-Symposium BU

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versicherung am 07.11.2017 in Frankfurt/M. an.

März 2017: Ergebnisse der QTi zum tatsächlichen Leistungsverhalten der BU-Versicherer zeigen gewaltige Unterschiede auf

Die Studienergebnisse wurden im Rahmen des 1. Recht-Symposiums zur Berufsunfähigkeitsversicherung am 28.03.2017 in Frankfurt vor 100 akkreditierten Teilnehmern und Fachjournalisten vorgestellt.

Die ausgewerteten Ergebnisse zeigen eine hohe unternehmensindividuelle Spreizung des Leistungsverhaltens und bestätigen für Verbraucher wie Vermittler eine faktische Orientierungslosigkeit.

Die wichtigsten Ergebnisse im Auswertungsjahr 2014 zeigen eine eklatante Varianz im Leistungsverhalten:

  • Bis zur Hälfte der Anträge werden abgelehnt. Von 16.150 abschließend bearbeiteten Leistungsfällen wurden insgesamt 72,2 Prozent (11.656 Fälle) anerkannt. 27,8 Prozent (4.494 Fälle) wurden abgelehnt. Die unternehmensindividuelle Quote variiert zwischen 55,8 Prozent und 13,9 Prozent der abschließend bearbeiteten Leistungsfälle.
  • Von insgesamt 4.494 abgelehnten Leistungsfällen wurde in 8,7 Prozent der Fälle im Jahr 2014 Klage durch den Versicherungsnehmer/Versicherte Person erhoben.
  • Erfolgsquote der Kläger zwischen null und 83 Prozent. Von insgesamt 169 in 2014 getroffenen erstinstanzlichen Urteilen (LG) gingen 31,4 Prozent zugunsten des klagenden Versicherungsnehmers/Versicherte Person, 68,6 Prozent zugunsten des Versicherers aus. Die unternehmensindividuelle Quote der durch Versicherer verlorenen Prozesse variiert zwischen 0 und 83,3 Prozent.
  • 63,4 Prozent aller abschließend bearbeiteten Leistungsfälle wurden unbefristet anerkannt. Die unternehmensindividuellen Anerkennungsquoten variieren dabei zwischen 36,2 und 83,3 Prozent. Die mit der Anzahl der unbefristeten Leistungsanerkenntnisse gewichtete durchschnittliche monatliche BU-Rente beträgt dabei 795 Euro. Die unternehmensindividuellen durchschnittlichen BU-Renten variieren zwischen 590 und 1.195 Euro.
  • Die mit der Anzahl der abschließend bearbeiteten Leistungsfälle gewichtete durchschnittliche Bearbeitungsdauer bis zum Abschluss eines Leistungsfalls beträgt 95 Tage. Die unternehmensindividuelle durchschnittliche Varianz liegt dabei zwischen 30 und 219 Tagen.
  • Das mit der Anzahl der abschließend bearbeiteten Leistungsfälle gewichtete durchschnittliche Alter bei Meldung eines Leistungsfalles beträgt 45,7 Jahre. Die unternehmensindividuelle Varianz liegt dabei zwischen durchschnittlich 40,4 und 48,1 Jahren.

2014 wurde von den teilnehmenden Versicherern in 6.060 Fällen die BU-Rentenzahlung ehemals unbefristeter Leistungsanerkenntnisse eingestellt.

  • Davon wurden 18,9 Prozent aufgrund einer Nachprüfung Die unternehmensindividuelle Varianz liegt zwischen 39,9 und 4,3 Prozent.
  • Die mit der Anzahl im Jahr 2014 eingestellter unbefristeter Leistungsanerkenntnisse gewichtete vorangegangene durchschnittliche Leistungsdauer bis zur Einstellung der unbefristeten Leistung beträgt 6,5 Jahre. Die unternehmensindividuelle Leistungsdauer variiert dabei zwischen durchschnittlich 3,5 und 9,0 Jahren.
  • Die mit der Anzahl im Jahr 2014 eingestellter unbefristeter Leistungsanerkenntnisse gewichtete durchschnittliche Höhe der vorangegangenen geleisteten monatlichen Berufsunfähigkeitsrenten betrug 672 Euro. Die unternehmensindividuelle Höhe lag monatlich zwischen durchschnittlich 468 und 1.117 Euro.

Kein Versicherer schnitt im Unternehmensvergleich in allen untersuchten Teilbereichen überdurchschnittlich ab. Es konnte allerdings festgestellt werden, dass einzelne Unternehmen in relevanten Teilbereichen konsistent Ergebnisse über dem ermittelten Durchschnitt der teilnehmenden Unternehmen erzielt haben und sich somit deutlich positiv von ihrem Wettbewerb abheben.

Fazit: Das durchschnittliche junge Alter bei Meldung eines Leistungsfalles von 45,7 Jahren untermauert die Notwendigkeit der Existenzabsicherung. Die Fülle unbestimmter Begriffe und unverbindlicher Formulierungen im VVG, den GDV-Musterbedingungen und den unternehmensindividuellen Vertragsbedingungen ermöglichen jedoch die vorliegenden eklatanten Unterschiede im Leistungsverhalten. Die oftmals nicht zur Erhaltung des Lebensstandards ausreichende durchschnittliche BU-Rente unbefristeter Leistungen in Höhe von 795 Euro weisen zudem auf eine deutliche Unterversorgung hin.

Im Rahmen einer Querprüfung wurde festgestellt, dass 12 der 15 Teilnehmer bei vergangenen Produktratings führender Agenturen dennoch deren jeweilige Höchstbewertung erhalten haben.

 

Die Ergebnisse sind in unserer Pressemitteilung zusammengefasst. Weitere Zusatzinformationen können Sie hier kostenfrei anfordern.

Kommentierungen und Stimmen zur Ergebnisvorstellung von Vermittlern, Fachanwälten, Leistungsfallregulierern Fachpresse und Politik finden Sie in unserem Video das im Rahmen des 1. Recht-Symposiums zur Berufsunfähigkeitsversicherung aufgenommen wurde.

Juli 2017: Vermittlerumfrage zur Einschätzung der Berufsunfähigkeitsversicherung

Im Rahmen des VorsorgeFachForums am 12.06.2017 in Frankfurt am Main und online auf versicherungsbote.de, wurde eine anonyme Befragung von Versicherungsmaklern zu deren Bewertung der aktuellen Berufsunfähigkeitsversicherungen durchgeführt.

Die 188 teilnehmenden Berater sind durchschnittlich knapp 20 Jahren in ihrem Beruf tätig und schlossen im Jahr 2016 im Schnitt rund 30 neue Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) ab.

Kernaussagen der Befragung:

  • Qualitätsorientierte und an langfristigen Kundenbeziehungen interessierte Versicherungsmakler empfehlen ihren Kunden passende Produkte zur Absicherung des Berufsunfähigkeitsrisikos zu rund 60 Prozent aufgrund der Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB).
  • Zweitwichtigstes Kriterium mit rund 27 Prozent sind die Erfahrungen, wie sich das Versicherungsunternehmen im Leistungsfall verhält.
  • Die Relevanz von Ratings und Siegeln wird nur von einem Sechstel der Vermittler als hoch oder sehr hoch bewertet.
  • Zwei Drittel misst dem Produkt BU eine hohe Relevanz für den zukünftigen Vertriebserfolg bei.
  • Die Entscheidungs-Kriterien der Vermittler zur Produktauswahl begründen sich zu 59,2 Prozent aufgrund der AVB, Leistungsverhalten (27,2 Prozent), Preis (9,0 Prozent), Annahmepolitik (3,3 Prozent) und 1,3 Prozent aufgrund der Courtagehöhe.
  • 80 Prozent monieren Intransparenz und Unverständlichkeit der AVB.
  • 75 Prozent bewerten das Verhalten der Versicherer im Leistungsfall als nicht oder nur teilweise plausibel sowie als intransparent. Als nachvollziehbar und transparent bewerten dies nur 21,5 Prozent.

Die Ergebnisse zeigen – auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung – den dringenden Handlungsbedarf der Branche bei Produktgestaltung und Prozessoptimierung.

Die Ergebnisse sind in unserer Pressemitteilung zusammengefasst. Weitere Zusatzinformationen können Sie hier kostenfrei anfordern.