Vermittlerumfrage zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Welche Kriterien sind für Vermittler bei Auswahl und Empfehlung einer Berufsunfähigkeitsversicherung entscheidungsrelevant?

PremiumCircle startete hierzu in Kooperation mit Versicherungsbote Verlag eine Kurzumfrage mit nachstehenden Leitfragen:

  • Nach welchem Leitkriterium treffen Sie Ihre Produktauswahl?
  • Welche Relevanz haben für Sie Ratings und Siegel bei der Produktauswahl?
  • Wie schätzen Sie die Transparenz und Verständlichkeit in den AVB ein?
  • Wie schätzen Sie aktuell das Leistungsverhalten der BU-Versicherer ein?
  • Welche Relevanz hätten unternehmensindividuelle Leistungskennzahlen für Sie?
  • Wie schätzen Sie Ihr Haftungsrisiko bei Ihren BU-Bestandsverträgen ein?

Für Versicherte sind in den Vertragsbedingungen zur Berufsunfähigkeitsversicherung sowohl die Leistungsvoraussetzungen (Definition Berufsunfähigkeit) als auch die für den Leistungsregulierungsprozess relevanten Vertragsinhalte zu den Mitwirkungs- und Nachweispflichten durch unverbindliche Formulierungen und unbestimmte Begriffe völlig intransparent.

Die Versicherer argumentieren damit, das müsse so sein, um jedem Leistungsfall auch in Zukunft individuell gerecht werden zu können.

Die in diesem Marktsegment bekannten Ratinghäuser bewerten – oftmals im Auftrag der Versicherer – sowohl die Produktqualität der angebotenen Berufsunfähigkeitsversicherungen, als auch das Leistungsverhalten der Versicherer, die sogenannte „Regulierungskompetenz“. Letztere sollen Orientierung über die operative Auslegung der Versicherer mit den unverbindlichen Formulierungen und unbestimmten Begriffe der Vertragsbedingungen im Leistungsfall geben.

Das Ergebnis: Die Produktqualität erhält breitflächlig Höchstbewertungen (fast jeder Tarif hat ein Siegel mit Bestnoten). Ebenso wird den meisten „geprüften“ Versicherern eine ausgezeichnete „Regulierungskompetenz“ bestätigt. Die Ratings werden seitens der Versicherer somit als vermeintlich „qualitative Orientierung“ eingesetzt.

Das Problem: Die Ratingmethoden (Fragestellung und Ergebnisbewertung) sind intransparent und öffentlich nicht verständlich und nachvollziehbar dargelegt.

In der Praxis benötigen Versicherte im Leistungsfall zur Durchsetzung ihrer Ansprüche aufgrund komplexer, meist unverständlicher Fragebögen sowie einer Fülle anderweitig zu erbringender Nachweise oftmals die kostspielige Begleitung und Unterstützung durch Fachanwälte oder Regulierungsdienstleister.

Fazit: Der Gesamtprozess (Produktauswahl, Leistungsregulierung und Ratinggrundlagen) ist geprägt von Interpretationen, Vermutungen und unternehmensindividueller Individualität und gleicht in Summe operativ weitgehend einem Würfelspiel.

Es besteht somit eine faktische Orientierungslosigkeit für Vermittler und Versicherte.

Die PremiumCircle Deutschland GmbH setzt sich seit Jahren für Qualität und Transparenz bei Versicherungsprodukten und deren Vermarktung ein. Die Erhebung zum Leistungsverhalten der Berufsunfähigkeitsversicherer hat jedoch gezeigt, dass nur 15 von 62 der angefragten Versicherer überhaupt zu Transparenz bereit waren. Deren Daten zeigten bereits eine extrem hohe Varianz im unternehmensindividuellen Leistungsverhalten auf. Diesen Interpretationsspielraum ermöglichen die vom GDV (Gesamtverband der Versicherungswirtschaft) empfohlenen und von allen Versicherern deckungsgleich verwandten und weitgehend unverbindlichen Musterbedingungen zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Es gibt keinen transparenten und nachvollziehbaren – brancheneinheitlichen – Leistungsregulierungsstandard.

Die korrekte Produktbeschreibung und die erforderlichen Voraussetzungen zur Leistungserlangung werden somit auf das vertriebliche Interpretationsgeschick der Vermittler und/oder die Vorstellungskraft der Versicherten ausgelagert.